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Baudenkmal und Museum für Worpsweder Möbel und Kunsthandwerk

Öffnungszeiten:

siehe "Unsere Baudenkmale"

Eintrittspreise:
Erwachsene 3 €, Schüler 1 €


1926 baute der Schriftsteller und erste Gästeführer Worpswedes, Edwin Koenemann (1883-1960), in Worpswede auf einem Waldgrundstück an der Lindenallee, das seiner Lebensgefährtin Grete Barleben gehörte, ein Rundhaus. Das Gebäude, das wegen seiner ungewöhnlichen Iglu-Form Aufsehen erregte, erhielt von den Worpswedern den Namen „Käseglocke”. Koenemann gab an, auch in der noch erhaltenen Baugenehmigung, daß die Hausform von ihm erdacht und das Ergebnis vieler vorangegangener Pläne und Überlegungen sei. Heute wissen wir, daß das Haus von keinem anderen als dem berühmten Berliner Architekten Bruno Taut entworfen wurde. Dieser hatte in der Architekturzeitschrift „Frühlicht” seine Idee mit Grundriß-, Schnitt- und Ansichtszeichnungen publiziert, die Koenemann für sich benutzte. Dazu schreibt Dr. Wolfgang Saal in seinem Aufsatz „Dorfbild und Künstlerarchitektur” in: Worpswede 1889-1989/Hundert Jahre Künstlerkolonie:
„Viele Pläne und Entwürfe Bruno Tauts, so auch dieses Rundhaus, wurden nie realisiert und zählen als Projekte heute sowohl zur phantastischen als auch zur expressionistischen Architektur. Gerade deshalb ist der von Koenemann errichtete Rundbau bemerkenswert, der als selbstbewußtes Experiment eines Künstlers mit einer neuen Wohn- und Arbeitsform zu verstehen ist. Nicht zuletzt ist der Rundling auch eine internationale Bauform, der nichts mit den ihn umgebenden lokalen und regionalen Bauten auf dem Weyerberg gemein hat, was seinen Reiz des Besonderen ausmacht.”
Das Haus und ein Nebengebäude stehen jeweils in den hinteren Ecken eines Hammergrundstücks (3000 qm), das an öffentliche Grünanlagen (Marcusheide) und einen Wanderweg grenzt. Der gesamte Bereich ist als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen und somit nicht ohne weiteres über das jetzige Maß hinaus bebaubar.
Die Käseglocke ist heute ein Baudenkmal. Zu schützen ist nicht nur das Haus selbst, sondern ebenfalls die gemauerte Hofanlage von 1930, eine Stützmauer gegen das leicht ansteigende Gelände mit expressionistisch-skurrilen Formen und Ausbauten. Baumaterial waren verschmolzene und verformte Fehlbrände, Klinker, die von den Ziegeleien kostenlos abgegeben wurden. Im 19. Jahrhundert bauten sich aus diesem Material die Worpsweder in ihren Gärten und Vorgärten „Grotten” nach den Vorbildern englischer Gartenkunst des 17. Jahrhunderts. Diese „lokale Vorgabe” griffen sowohl Hoetger als auch Koenemann etwa zur selben Zeit für die Gestaltung ihrer Architektur und Belebung des Mauerwerks auf. Koenemann fügte noch Kieselsteine, Keramik-Bruchstücke und Schmelzglasbrocken ein, Abfälle aus den damals im Teufelsmoor existierenden Glashütten.
Die Terrassenmauer mit einer Grotte (Blinddarm), einem erhöhten Sitzplatz (Gralsburg) und eingearbeiteten Schalen und Kästen für Bepflanzung, war seit Jahren nicht gepflegt, mit Laub bedeckt und von Pflanzen überwachsen. Sie ist noch weitgehend erhalten und wird als nächster Bauabschnitt restauriert, zerstörte Teile werden nach alten Fotos rekonstruiert. Ebenso wurde der innerhalb der Wagenkehre vor der Käseglocke von Koenemann aufgestellte „Aussichtsturm” wieder instand gesetzt. Er ist das einzige Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg, das hier in Worpswede die Zeit überdauert hat – eine Eisenkonstruktion von den Flak-Stellungen auf dem Weyerberg.

Die Käseglocke ist seit ihrer Fertigstellung vor über 70 Jahren bis auf einen kleinen Vorbau am Eingangsbereich, den Koenemann nach dem 2. Weltkrieg selbst veranlaßte, unverändert geblieben. Sie wird deshalb von Denkmalschützern als einmalig und besonders erhaltenswert eingestuft. Dazu teilt uns Dr. Püttmann von der Bezirksregierung Lüneburg mit:
„Das von Edwin Koenemann 1926 errichtete Rundhaus ist gemäß §3 Abs. 2 Niedersächsisches Denkmalschutzgesetz in das Verzeichnis der Baudenkmale Niedersachsens aufgenommen worden. Nach meiner Kenntnis ist es das einzige gebaute Beispiel des Entwurfs eines Rundhauses von Bruno Taut. Das Gebäude besitzt damit einen architekturhistorischen Wert, der weit über Niedersachsen hinausgeht; gleichzeitig gehört das Gebäude zu den wichtigsten Objekten der Künstlerkolonie Worpswede. Vor diesem Hintergrund besteht ein ausgesprochen hohes öffentliches Interesse an einem unversehrten Weiterbestand dieses schönen Beispiels. Die Bezirksregierung Lüneburg begrüßt daher nachdrücklich die Bemühungen der Freunde Worpswedes um die Erhaltung der Käseglocke.”
Die in Worpswede geborene Kunsthistorikerin Kristina Müller hat in ihrer 2000 vorgelegten Magisterarbeit sowohl die architektonische  Grundlage der Käseglocke auf einen Entwurf von Bruno Taut bestätigt als auch die Eigenleistung Koenemanns am Bau hervorgehoben.
Das Haus hat im Erdgeschoß einen Durchmesser von zehn Metern. Es ist, abgesehen von dem aus Beton gegossenen Schornstein, ganz aus Holz gebaut und steht auf einem als Keller ausgebildeten  Betonfundament. Im Erdgeschoß befindet sich eine kaminähnliche zentrale Feuerstelle, mit der durch Luftzüge alle darum befindlichen Räume geheizt wurden. Dieser „Ofen” wurde von dem Bildhauer Karl Piening entworfen und ist – wie die Hofanlage – ein expressionistisches Bauwerk, ähnlich der Hoetger-Architektur bei der nahegelegenen Großen Kunstschau. Um den Schornstein herum gliedern sich die unteren Räume wie Tortenstücke. Außer einem Flur gibt es drei große Räume sowie ein Bad, eine Toilette und einen Abstellraum. Vom ehemaligen Wohnzimmer aus führt eine Treppe in das Obergeschoß mit Gästezimmer und kleiner Küche, einem begehbaren Schrank und dem Atelierraum, der die Hälfte der Grundfläche in Anspruch nimmt.
Durch Beschluß der Mitgliederversammlung am 26.5.1994 wurde die Käseglocke erworben, um sie einer unkontrollierten privaten Nutzung zu entziehen, sie instandzusetzen, zu pflegen und zu erhalten, um sie dann der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Mit Zuwendungen u. a. der Bezirksregierung Lüneburg und der „Deutschen Stiftung Denkmalschutz” ist die Restaurierung in Bauabschnitten, verteilt über mehrere Jahre, abgeschlossen.
Nötig war die Sanierung des Fundamentes, Erneuerung des Schornsteinkopfes und Wiederherstellung der alten Brauchwasserversorgung durch ein System von außen- und innengelegenen Zisternen bis zur Schwengelpumpe in der Küche.
1998 wurde begonnen, Teile der Dachkonstruktion auszuwechseln und eine Isolierung einzubringen, das Dach neu einzudecken sowie die sanitären Anlagen zu installieren.
Unter Leitung des Architekten Fritz-Eckhard Schleif aus Guderhandviertel wurden alle Arbeiten an der Käseglocke mit Beratung und Aufsicht der Baudenkmalbehörde in Lüneburg und mit Unterstützung des Bauamtes Landkreis Osterholz und des Worpsweder Architekten Fritz Busse, durchgeführt. Für die Wiederherstellung des originalen Außenanstrichs der Fenster und Türen wurde ein Gutachten des Grasberger Restaurators Paul-Uwe Dietzsch herangezogen.
Während die Instandsetzung des Außenbaus weitgehend mit Fördermitteln durch das Land Niedersachsen und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz erfolgte, mußte die Wiederherstellung des alten Zustandes im Innern mit Eigenmitteln und durch Eigenhilfe, das heißt durch Arbeitseinsätze der Vereinsmitglieder, selbst bewerkstelligt werden. Hierbei erwies sich der Einsatz der Worpsweder Restauratoren Helmut und Sonja Toeppe als besonders hilfreich: unter ihrer Anleitung wurden die Originalfarben der Innenräume aufgespürt und freigelegt, spätere Übermalungen entfernt und die Originalfarben sachkundig wiederhergestellt.
Landkreis und Gemeinde haben dazu beigetragen, auch diese Kosten für den Verein erträglich zu machen. Der Landschaftsverband Stade ermöglichte uns mit einer Zuwendung eine zeitgemäße Alarmanlage, die sowohl Einbruch als auch Brandmeldung bietet. Für die Inneneinrichtung ist eine Verbindung zum Kunsthandwerk sinnvoll, denn sie entspricht der Geschichte des Hauses: Grete Barleben, die Lebensgefährtin Edwin Koenemanns und Miterbauerin des Hauses, wurde nach ihrer Tätigkeit in Bremen als Telefonistin selbst zur Kunsthandwerkerin (Bastflechtarbeiten) und übte diese Tätigkeit auch in der Käseglocke aus. Der Töpfer und Zeichner Willi Ohler hat viele Jahre im Obergeschoß sein Atelier gehabt, und Edwin Koenemann sammelte – nach anfänglichen Versuchen als Textilentwerfer und Schüler der Malschule von Georg Tappert – Zeit seines Lebens Kunsthandwerk aus Worpswede und der Region und stellte es in der Käseglocke aus. Er hat das Haus, das u. a. mit Vogeler- und Hoetger-Möbeln eingerichtet war, im Rahmen seiner Führungen durch Worpswede kleinen Gruppen gegen Entgelt zugänglich gemacht und gern Interessierten geöffnet.
Deshalb ist der Käseglocke eine Daueraufgabe zugewiesen worden, die der Geschichte des Hauses und den Ideen seines Erbauers gerecht wird: Das Haus ist Standort einer Sammlung von Worpsweder Kunsthandwerk jeder Art aus allen Zeiten, ein zentraler Platz für Erfassung und Aufnahme von bestehenden Teilsammlungen, eine potentielle Anlaufstelle für Schenkungen, Nachlässe und Forschung. Teile der Sammlung dienen der ständigen Einrichtung des Hauses, um für den Besucher den Eindruck wieder auflebenzulassen, den die Räume zur Zeit von Edwin Koenemann abgaben. Durch Ankauf und mit vielen Leihgaben, ist es den Freunden Worpswedes möglich, einen Querschnitt kunsthandwerklichen Schaffens in Worpswede aus über hundert Jahren mit einem Schwerpunkt der von Bernhard Hoetger 1923 gegründeten „Worpsweder Kunsthütten” zu präsentieren: Töpferarbeiten von Willi Ohler und Otto Meier, Metallgegenstände von Heinz Bormann und Lotte Heidelbach und Kleinplastiken von Bernhard Hoetger.

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Neuerscheinung

Peter Groth
Die Käseglocke in WorpswedeBaudenkmal und Museum für Kunsthandwerk120 Seiten, 24 x 17,5 cm
€ 10,--  + Versandkosten

 Außenanlage mit „Blinddarm"

 Wohnzimmer mit Treppenaufgang und
historischen Hoetger-Möbeln

Hoetger-Bett im Schlafzimmer

Atelierschrank von Fritz Uphoff

Zentrale Ofenanlage im Wohnzimmer

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2008 wurden die Restaurierungsarbeiten an dem auf dem Käseglockengelände gelegenen Baudenkmal „Nurdachhaus" abgeschlossen. Der 25 qm große, ehemalige Schuppen dient heute als Gästehaus der „Freunde".
Die Instandsetzung der Hofmauern konnte im gleichen Jahr fertiggestellt werden

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Unser neues Schild: Ein Geschenk der Firma Rabba,
Blech- und Laserbearbeitung, Bremen.
Herzlichen Dank!
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  

 


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